Reportage am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM

Reportage am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM

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Für die Serie ‘Alma Mater’ besuche ich in einer Tour de Suisse die 4 Zahnmedizinischen Universitäten der Schweiz. Meine Reportage startet in der Zwinglistadt, am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich (ZZM).

Ich habe mich zum Interview mit Dr. med. dent. Alexis Ioannidis und ZT Andrea Patrizi verabredet, ich möchte die beiden und Ihren Uni-Alltag kennenlernen.

Alexis Ionnidis und Andrea Patrizi vor dem Eingang des Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM
Ein Tag im (Arbeits-)Leben von: Dr.med dent Alexis Ioannidis und ZT Andrea Patrizi am ZZM

Ein paar Minuten zu früh komme ich an der Plattenstrasse an und gebe Alexis Ioannidis Bescheid, dass ich da bin. Dieser versichert, er komme gleich, er ist noch in der Wäscherei. Zur Begrüssung erklärt er dann gleich, das mit dem Wäscheholen sei ein gut strukturiertes Prozedere. Jede® Mitarbeitende darf nur eine bestimmte Anzahl Shirts und Hosen fassen. Alles wird genau festgehalten. Und so sind wir schon mitten im Uni-Alltag. Hier geht es um das Erfassen von Daten bei neuen Studien, das Analysieren von Fakten aber natürlich auch um ganz traditionelle oder eben zeitgemässe respektive fortschrittliche Zahnmedizin.

Und Action! Die Einprobe in der Kieferorthopädie

Kaum haben wir die Hände desinfiziert, läutet das Telefon von Oberarzt Ioannidis. Die Einprobe eines interdisziplinären, komplexen Patientenfalles steht an. Wir gehen dafür in die Kieferorthopädie zu Professor Dr. Theodore Eliades. Eliades ist Direktor Forschung am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM. Auf Griechisch begrüssen sich die Fachzahnärzte herzlich, dann widmen sie sich dem Patienten.

komplexer patientenfall interdisziplinär gelöst. Dr. Alexis Ioannidis bei Professor Eliades am ZZM
Professor Dr. Theodore Eliades und Dr. Alex Ioannidis arbeiten an einem interdisziplinären Fall

Eliades und Ioannidis kontrollieren den Fortschritt der bisherigen kieferorthopädischen Behandlung, schauen ob die Bedingungen schon optimal sind für das weitere prothetische Vorgehen. Das Interdisziplinäres Arbeiten an der Uni wird vom Patienten geschätzt, so muss er die Fachzahnärzte nicht einzeln aufsuchen und spart sich Termine. Aber da sich die Behandlung wegen dem COVID-Jahr in die Länge gezogen hat, ist der Patient etwas ungeduldig und sehr gespannt darauf zu erfahren, ob er auf der Zielgeraden ist mit seinen neuen Zähen.

da kommen noch veneers hin zeigt dieses situations-foto

Und Ioannidis und Eliades geben grünes Licht, nach mehreren Monaten ist dieser Patient bereit für die geplanten Veneers. Darüber freut er sich riesig.

Wir verlasen die Abteilung Kieferorthopädie und machen uns auf dem Weg zum Zahntechnischen Labor der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin. Unterwegs erklärt mir Ioannidis die 3 Säulen der Universität: Lehre, Forschung und Klinik. Forschung. macht ca 20% des Arbeits-Alltages aus. Für den administrativen Ablauf der Studien ist an der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin ein eigenes Büro zuständig. Jede Studie, jede Patientenakte ist in einem Archiv abgelegt.

Keramikpinsel und Seesicht im Zahntechnischen Labor

Unterdessen sind wir im 6. Stock beim Zahntechnischen Labor angelangt. Dem Reich von ZT Andrea Patrizi. der hier seit 5 Jahren Techniker arbeitet. Auch hier ist die Stimmung fröhlich. Zur Begrüssung bekomme ich einen feinen Espresso. Patrizi der in Italien aufgewachsen ist, hat bereits mit 13 Jahren mit der Zahntechnik angefangen. Er zeigt mir seinen Arbeitsplatz und erklärt, dass es eigentlich 3 Labors sind. In einem wird geschichtet, in einem gescannt, gefräst und gedruckt und im dritten findet alles andere Zahntechnische statt.

Andrea Patrizi Leiter am Zahntechnischen Labor des ZZM
ZT Andrea Patrizi

«Es ist ein Glück dass wir hier am ZZM Sinteröfen und Fräsmaschinen haben. So können wir z.B. monolithische Rekonstruktionen aus Zirkonoxid, welche den Grossteil unserer Arbeit ausmachen, von A-Z selber herstellen» sagt Patrizi

Reportage vom Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM

Diese monolithischen Zirkonoxidarbeiten werden mit Mikrolayering überschichtet. Damit wird neben der Stabilität auch die gewünschte Aesthetik erreicht. Monolithische Arbeiten sind gross im Trend an der Uni Zürich.

Wenn möglich: Digital! Der Workflow am ZZM

Ein Technikerkollege versucht sich sogar gerade an einem Frontzahn damit, sagt Patrizi. Andrea Patrizi selber ist auch sehr computeraffin, die meiste Arbeitszeit verbringt er am Bildschirm. Seit 3 1/2 Jahren ist der prothetische Workflow an der Plattenstrasse praktisch nur noch digital. Der Anteil wird auf 90% Prozent geschätzt.

Natürlich wird am Studentenkurs das klassische Abformen gelehrt. Aber der Löffel hat hier mehrheitlich dem Intraoral-Scanner Platz gemacht. An der Uni Zürich ist man sich einig: Die Zahnmedizin wird immer digitaler.

Zukunfts-Prognose des Prothetikers

«Ich denke künftig werden wir weniger am Patienten arbeiten, da die Prävention in der Schweiz sehr gut ist. Auch wird es weniger Standard-Anwendungen und mehr individuellere Lösungen geben. In der rekonstruktiven Zahnmedizin kam man zum Beispiel davon weg, jede grössere Füllung durch eine Krone zu ersetzen. Parallel dazu erlauben uns die neuen Materialen, alte Dogmen zu überdenken.» Sagt Alexis Ioannidis und erklärt weiter, dass u.a.die Adhäsivtechniken die Zahnmedizin auf den Kopf gestellt haben. Vor 15 Jahren wurde noch gelehrt, wie eine Schulter oder Stufe perfekt präpariert wird. Heute sei man an einem ganz anderem Punkt und arbeite in der Rekonstruktiven Zahnmedizin und natürlich auch in anderen Fachgebieten viel defekt-orientierter und patienten-spezifischer.

Euphorie am Studentenkurs – es ist der letzte Tag!

Was aktuell am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM gelehrt wird erfahren wir gleich. Das Telefon von Ioannidis läutet nämlich schon wieder: jetzt geht’s zum Studentenkurs. Dort ist heute der letzte Semester-Tag. Nach der Zeit an den Dummies und Phantomen kommen die Zahnmedizin Studierenden im 4ten und 5ten Studienjahr zum klinischen Arbeiten auch zu Ioannidis zum Kurs. Er hat mir bereits erzählt, dass am Abschlusstag jeweils eine besondere Stimmung herrscht und viele euphorisch sind. Als wir den Raum betreten und der 39jährige Oberarzt Ioannidis mit grossem Applaus empfangen wird, ist sofort klar was er damit meinte.

Ueberschwänglich bedanken sich die Studenten beim Oberarzt für die gemeinsame Zeit, das Beigebrachte und Erlernte. Die Studierenden überreichen Ioannidis einen Geschenkkor. Ioannidis zeigt sich gerührt. Schliesslich hat man ja auch viel Zeit miteinander verbracht. Und jetzt fängt für die 40-50 jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte ein neuer Abschnitt an. Die meisten gehen in eine Privatpraxis.

Zahnarzt – ein Frauenberuf?

Dem stimmt auch im Vorbeigehen Assistenz-Zahnärztin aus dem Studienkurs, Sofia Lamperti* zu und meint: «Das Studium ist hart. Die Facharzt Ausbildung ebenfalls. In der Zahnmedizin sind die Tiefs besonders tief, aber die Hochs dafür auch umso höher. Der Druck und das Vergleichen mit anderen ist intensiv. Aber das bringt einem auch weiter.(*Sofia Lamperti hat unterdessen den Master Studiengang in Oraler Implantologie erfolgreich abgeschlossen)

Studentenkurs an der Uni Zürich ZZM
Dr. Sofia Lamperti mit Dr. Alexis Ioannidis

Zahnmedizin war schon immer ein attraktives Studium für Frauen. Auch heute sind mehr als die Hälfte der Absolventinnen weiblich.

Auch Ioannidis Mutter war Zahnärztin, es scheint also im Blut zu liegen. Es sei aber nicht so gewesen, dass er seiner Mutter bei der Arbeit zugeschaut und deshalb auch diesen Beruf gewählt habe. Das sei vielmehr einfach so entstanden. Lange hat Teamplayer Ioannidis auch mit der Idee gespielt die Hotelfachschule zu absolvieren. Der Hospitality Gedanke fasziniert ihn:

«Es gibt durchaus Parallelen zwischen einem Besuch in einer Praxis und dem Besuch in einem Hotel. Die gute Qualität sollte heute vorausgesetzt werden können. Dann geht es weiter darum, das der Dienstleistungsgedanke hoch geschrieben wird und sich die Patientinnen und Patienten, bzw die Gäste willkommen fühlen. Das versuchen wir am Zentrum für Zahnmedizin so auch für unsere Patienten zu leben.»

Das Patientenwohl wird also grossgeschrieben. Davon kann ich mich gleich selbst überzeugen. Dr. Ioannidis wird zu einer weiteren Einprobe gerufen.

Ring ring, die nächste Einprobe ruft!

Hier wurde ist die die ganze Front neu gemacht. Die Rekonstruktion besteht aus Lithium Disilikat, Zirkonoxid aber auch Feldspat-Keramik. Der Behandler, Assistenz-Zahnarzt Roman Schellenberg* ist zufrieden und begutachtet sein Resultat von allen Seiten. Auch mein Interviewpartner schaut genau hin, gibt noch einzelne Inputs und fragt die Patientin wie es ihr den gefalle. Der Blick in den Spiegel und das Daumenhoch sagen alles. (*Roman Schellenberg hat unterdessen den Master Studeingang in Oraler Implantologie erfolgreich abgeschlossen.)

Stimmen die Achsen? Alles wird genau überprüft am Studentenkurs am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM
Dr. Roman Schellenberg kontrolliert mit Dr. Alexis Ioannidis seine Einprobe

Ok also fürs Finish für diese Arbeit. Und auch ich muss langsam wieder auf den Zug. Die Zeit am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich verging wie im Flug. Mir wurde bewusst, dass die Arbeit an der Uni geprägt ist von Freude aber auch Emsigkeit. Und ich staune wieviel Energie ein Oberarzt hat und braucht. Da weiss man aber am Abend was man getan hat?, frage ich Alexis Ioannidis mit einem Zwinkern zum Schluss. Er lacht laut auf und meint: «Ja also ich kann gut schlafen»

Wir verabschieden uns. Ich mache mich auf dem Heimweg und höre bereits im Gehen wie das Telefon von Ioannidis wieder klingelt…

https://www.zzm.uzh.ch

https://www.labor-gredig.ch/blog

Dieser Beitrag erscheint in der ZZS Zahn-Zeitung Schweiz im August 2021

Dieser Artikel erscheint in der ZZS Zahn-Zeitung Schweiz https://www.zahnzeitung.ch

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