Porträt Ronald Jung

Porträt Ronald Jung

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Für die ZZS Zahn-Zeitung Schweiz konnte ich Professor Dr. Ronald Jung, neuer Leiter an der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin der Universität Zürich interviewen

Als ich Professor Dr. Ronald Jung an diesem Dezembertag zum Interview an der Plattenstrasse treffe, schneit es draussen und die Häuser und Strassen sind hübsch für Weihnachten dekoriert.

Professor Dr. Ronald Jung neuer Klinikdirektor am ZZM der Universität Zürich

Jung ist er gerade zurück aus New York: «Ich hatte bei der The Greater New York Academy of Prosthodontics einen Hauptvortrag- das hat mega Spass gemacht!» erzählt er und entspricht so sofort der Beschreibung der offiziellen Mitteilung der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin, denke ich. Dort schreiben seine Kollegen: «Rony Jung ist ein hervorragender Forscher, Wissenschaftler und Zahnarzt sowie ein umgänglicher Mensch.»

Von dieser Umgänglichkeit kann ich mich während unseres Gesprächs bestens überzeugen.

Jung der Zürcher

Nach einem fast 2jährigen Bewerbungsverfahren wurde Ronald Jung zum ordentlichen Professor für Rekonstruktive Zahnmedizin ernannt. Er hat diesen Februar 2022 die Nachfolge von Professor Hämmerle übernommen. Für Jung, den Zürcher, eine riesige Freude, dass er hier, an seiner Heim-Uni an der Spitze sein kann.

«Ich bin ein Enthusiast und extremer Teamplayer, der seine Zufriedenheit zu 98% aus der Zufriedenheit der anderen bezieht.»

Enthusiasmus und Teamwork

Seine Ansprüche sind hoch. Der 51 jährige Jung möchte, dass die Patientin mit einem sehr guten Eindruck und Erlebnis nach Hause geht. Die bestmögliche Therapie mit dem Maximum an Empathie, lautet die Devise.

«Trotz oder wegen meiner langjährigen Erfahrung bin ich sicher einer der Zahnärzte, der am meisten Zeit in ein Vorgespräch mit dem Patienten investiert. Denn das lohnt sich immer! Sobald der Patient weiss, dass man seinen Wunsch richtig verstanden hat, kann aus der Beziehung Behandler/Patient ein teamwork entstehen».

Unprofessionalität? Ein no-go!

Ein totaler Optimist frage ich? Ja das treffe zu, sagt der sympathische Prothetiker und Implantologe. «Ich bin authentisch, und habe wohl auch darum so einen grandiosen Support von überall auf der Welt. Und ich bin stolz, dass ich sagen kann, dass ich keinen Karriereschritt auf Kosten einer anderen Person gemacht habe.»

Jung strahlt Power, Zuversicht aus. Gibt es denn auch etwas, das in aus der Ruhe bringt, ihn sogar verärgern kann, nimmt mich Wunder? «Ja doch das gibt es. Unprofessionalität vertrage ich schlecht. Wenn ich zb sehe, dass Termine ‘untergehen’, oder Patienten nicht zufriedenstellend behandelt werden konnten, dann ärgert mich das schon.»

Fussballer? Orthopäde? Zahnarzt!

Jungs Karriere entsprang nicht etwa einem Plan oder Bubentraum. Der Familienvater sagt, er kann sich für vieles Begeistern, vieles sei auch Einstellungssache. Zur Zahnmedizin kam er auf Umwegen. Denn zuerst wollte er Architekt werden. Dann hat er so gut Fussball gespielt, dass er bei GC unter Vertrag genommen wurde. Er spielte 12 Jahre beim Grasshopper Club Zürich durch alle Juniorenteams bis zum Unfall. «Ich hatte einen schweren Schien-Wadenbeinbruch und jetzt fehlt immer noch 15cm vom Wadenbein. Ich wurde 5mal operiert, da kam mir der Gedanke, nicht nur horizontal im OPs zu liegen, sondern selbst zu operieren.», sagt Jung mit einem Schmunzeln. Und so begann er das Medizinstudium, mit dem Ziel Orthopäde zu werden. Die Zähne, das Gewebe haben ihn dann aber doch mehr interessiert und nun ist der Zahnarzt Professor.

Mit positiver Energie in die Zukunft! Neuer Klinikdirektor an der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin Zürich, Professor Ronald Jung im Gang

Neubau in Hottingen

Aber der ersten Liebe, der Architektur wird Jung in seiner neuen Funktion als Klinik-Direktor doch auch nachgehen können. Denn die Sitzungen zur Planung des neuen ZZM Gebäudes auf dem Areal des heutigen Kinderspitals laufen auf Hochtouren. Da ist Jung gefordert. Er muss visionär denken. Sich vorstellen können, was in ca 10 Jahren, wenn der Umbau fertig ist, in der Zahnmedizin an Infrastruktur gebraucht wird. Es wird kaum so sein, dass man Geräte von der Plattenstrasse nach Hottingen mitnimmt. Auf dem neuen Areal wird eine supermodere Zahnmedizinische Uni gebaut. Aus den multiplen Gebäuden des jetzigen Kinderspitals soll eine grosszügige architektonische Lösung entstehen. Der Neubau gliedert sich in die parkähnliche Umgebung ein und ist geprägt von einem Innenhof, der üppig begrünt sein soll. Ein hochmodernes Gebäude mit Wohlfühlcharakter.«Ja auf den Neubau freuen wir uns natürlich sehr!“

Der Zahnarzt von Morgen wird medizinischer.

„Für mich ist klar, dass es nicht nur Spezialisten brauchen wird, sondern, dass die Zahnärztin/der Zahnarzt wieder mehr als Mediziner arbeitet und biologischer und medizinischer wird, denn die anderen Dinge können von anderen Fachrichtungen wie eben den Zahntechnikerinnen gemacht werden“.

Die Zahntechnikerin könnte z.B in Zukunft den Abdruck am Patienten nehmen

„Die Zahntechnikerin hat für mich einen festen Bestandteil in dieser Kette, wenn man die Opportunität richtig nutzt. Zum Beispiel könnte die Technikerin einen Bereich der Datenerfassung wie auch der Abdrucknahme übernehmen.» Prognostiziert der charismatische Professor und formuliert das Ziel, dass die Patientin zukünftig eine noch bessere und personalisiertere Lösung bekommt. Auch moderne Tools wie Konsultationen mit der Handykamera mit speziellen Aufsätzen, eine Art Tele-Dentistry und Face-Scanns werden zukünftig einen wichtigen Anteil haben. Ein Teil der heutigen Datenerfassung in der Praxis wird sich verlagern einerseits in eigentliche Scan centers oder sogar nach Hause mit den grossen Möglichkeiten der heutigen mobilen Techniken. Der Zahnarzt von Morgen wird medizinischer und weniger mechanisch.

Big Data

Die Daten und Datenerfassung werden einen grossen Faktor in der Zukunft spielen. Daten sind das neue Geld, glaubt Jung und ergänzt, dass aber gerade wegen oder trotz dem Einzug der Digitalisierung, die Kommunikation immer wichtiger wird. «Man muss dem Patienten zuhören».

Touching communication

Als Beispiel erzählt Professor Ronald Jung von einer Frau in Holland welche ein «Augmented reality Mock-up» erhalten hatte. «Die Veneers sahen gut aus, die Lachlinie stimmte. Aber die Patientin war damit todunglücklich. Weil man sie und ihre Wünsche nicht in die Behandlung einbezogen hatte. Touching communication ist so wichtig! Es braucht bei grösseren Arbeiten einfach ein Mock-up, das der Patient im Mund tragen kann. Am besten lässt man den Patienten damit nachhause, damit er es richtig spüren kann, mit den Lippen mit allen Sinnen. Erst wenn der Patient rundum happy ist, wird mit der rekonstruktiven Arbeit begonnen.»

Professor Ronald Jung im neuen Büro an der Plattenstrasse, Universität Zürich
Professor Jung in seinem neuen Büro an der Plattenstrasse, Universität Zürich

Miteinander reden!

Die Digitalisierung biete gute Möglichkeiten, aber das Menschliche, das Physische dürfe nicht vergessen gehen. Mit dem Bild der Halb-Göttern in Weiss, kann der neue Klinikleiter nichts anfangen. Er möchte auf Augenhöhe mit den Patienten sein, zusammen etwas Schönes kreieren, ein Lächeln verbessern, Selbstwert für Patienten generieren.

Dental Robotics und Dental e-health

Was wird sich denn an der Plattenstrasse mit seiner Führung ändern? Wird etwas anders gehandhabt, welche Schwerpunkte werden neu gesetzt will ich wissen: «2 Schwerpunkte werden Dental robotics und und dental e-Health» sein. Die Automatisierung spielt heute und in Zukunft in allen Branchen eine grosse Rolle. In der Zahnmedizin sind wir sehr gut aufgestellt, was die Daten Akquisition, die digitale Diagnostik und das CAD CAM Herstellen anbelangt. Aber die Umsetzung der Diagnostik in den Patienten findet immer noch so statt, wie vor 50 Jahren. Wir müssen auch hier grosse Fortschritte machen und dental robotics wird uns zusammen mit der besseren Kenntnis des Patienten via dental e-Health helfen, diese neuen Ziele zu erreichen.“

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Ich muss mich wieder auf den Heimweg machen. Zum Abschluss dieses herzlichen Gespräches frage ich Jung, worauf er sich bei seiner neuen und prestigeträchtigen Herausforderung am meisten freut: «Ich habe soviel Energie, die ich auf die Strasse bringen will um die Zahnmedizin national und international nachhaltig nach Vorne zu bringen. Darauf freue ich mich riesig!»

Mit positiver Energie in die Zukunft

Ausblick von der Uniklinik auf Zürich Portrait Ronald Jung
Ausblick: Professor Dr. Ronald Jung erzählt im grossen Interview wie die Zahnmedizin von Morgen aussieht

Diese positive Energie, diese findet nicht nur auf dem Papier statt. Rony Jung der neue Direktor der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin am ZZM Zürich, strahlt sie förmlich aus. Und ich bin sicher alle werden sich von seinem Optimismus, seiner Positivität gerne anstecken lassen. Ich danke Jung für das Interview und wünsche ihm von Herzen einen guten Start!

Ich setze mich ins Tram, und schlage im Onlineduden aus Neugier Synonyme zu «Positiv» nach. Da steht: Vorteilhaft, zukunftsorientiert, aufgestellt, wünschenswert, erfreulich. Das passt! Und wie! Denke ich, und reise weiter durchs Schneegestöber.

Dieser Bericht wurde für die ZZS Zahn-Zeitung Schweiz geschrieben und in der Februar Ausgabe veröffentlicht.

Reportage am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich ZZM

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