SSRD Jahrestagung 2019

SSRD Jahrestagung 2019

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SSRD Swiss Society of Reconstructive Dentistry, 2019

Wie verändern digitale Technologien unsere Arbeitsweise in zahnärztlichen Kliniken, Praxen und Labors? An der SSRD Jahrestagung 2019 legen Experten aus der Wissenschaft und dem Privatsektor Dies anschaulich dar. Das Leitthema lautet: Digitalisierung- Chance oder Trivialisierung?

professor sailer sergio ruggia gastgeber ssrd
ssrd jahrestagung dr.güth über verschiedene materialien und AI Artificial Intelligence
Referent Vincent Fehmer und ZT Bertand Thiévent im Gepräch mit Marion Gredig

Die Zukunft ist monolithisch, sagt ZT Vincent Fehmer an der diesjährigen SSRD Jahresversammlung. Es gesellt sich der Zahntechniker Bertrand Thiévent zum Gespräch und stellt die Gegenfrage: «Und was ist mit der Ästhetik?» Somit treffen hier real und sinnbildlich die beiden Welten zusammen, welche das Thema der Veranstaltung bilden. Chance oder Trivialisierung?

Monolithisch ohne Chipping an der SSRD Jahrestagung 2019

Fehmer zeigt in seinem Vortrag die Möglichkeiten und Grenzen aktueller CAD/CAM Materialien auf und demonstriert Studien die ergeben, dass beim Keramikschichten winzigste Lufteinschlüsse entstehen. Diese wiederum könnten zu einem Chipping führen. Oder besser gesagt, falls es ein Chipping gibt, ist dies bei der Verblendung. Allerdings meint ZT Fehmer auch, dass Frontzähne weiterhin geschichtet werden sollten, da man nur damit dem hohen ästhetischen Anspruch des Kunden gerecht werden kann.

In 2 Sitzungen zur Krone

Jan Frederik Güth aus Deutschland, stellt The Munich Implant Concept vor. Er erklärt, wie es dank genauer Fall-Planung des Zahntechnikers und mit Hilfe des digitalen klinischen Workflows möglich ist, die Anzahl Sitzungen bis zur Krone auf ein Minimum von 2 zu beschränken. Das – wen überraschts? – gefalle dem Patienten.

Güth lässt an seinem Referat auch Zukunftsmusik spielen und malt aus, wie der Zahnarzt vom Patienten vielleicht einmal in einem anderen Licht gesehen wird. Wenn zum Beispiel die schlechte Nachricht Karies dem Scanner überlassen wird. Man stelle sich vor: Mit Monitoring zur Karieserkennung kann der Zahnarzt dem Patienten sagen: «Schauen Sie, der Scanner meint, hier haben sie Karies!». In diesem Fall wäre der Zahnarzt laut Jan Frederik Güth sozusagen von der Überbringungspflicht des Befundes teilweise entlastet. Und ein «Don’t shoot the messenger»-Effekt damit auszuschliessen, so der Referent augenzwinkernd!

Der Münchner schliesst seinen Vortrag mit der Erkenntnis, dass vieles an  AI (Artificial Intelligence) auf uns zu kommt. Für ihn sei es aber wichtiger, patienten-, und nicht zu technologieorientiert zu denken. Er fasst seine Ideologie in einem griffigen Wortbild zusammen. Für ihn ergeben die beiden Begriffe «digital» und «analog» idealerweise einen «Dialog».

Digitales Teamwork

Dr. Christian Ramel berichtet über das digitale Teamwork.

Dr. Christian Ramel zeigt  Vor- und Nachteile der Digitaliserung in der Zahnmedizin auf
Vor- und Nachteile Digitalisierung
Dr. Christian Ramel

Ramel zeigt auf, wo es in der Praxis Sinn macht, volldigital zu arbeiten. Seit acht Jahren erfassen er und seine drei Kollegen die Krankengeschichten der Patienten volldigital. Alles inklusive müssen sie dafür 35’000 Franken an Lizenzen bezahlen. Effizienter ist Dr. Ramel deswegen nicht, wie er konstatiert, auch sei die Digitalisierung wartungsintensiv. Trotzdem überwiegen für ihn die Vorteile: Platzsparung, Pendenzsystem, Ordnung und da die Krankengeschichten nicht mehr von Hand geschrieben sind können sie nun auch vom ganzen Praxisteam gelesen werden. Eine Aussage, welche das Fachpublikum im Saal mit einem wissenden Schmunzeln quittiert!

Team Battles

Verleihung Research Award mit Gewinner Dr. Stucki (Beitrag Abutments)
Verleihung Research Award
Verleihung innovativster Zahntechniker , Teilnehmer Goldener Pinsle
Verleihung Goldener Pinsel

Interessanter Programmpunkt an der SSRD Jahrestagung 2019 sind die sogenannten Team-Battles. Hier geht es darum, dass sich junge «Gladiatoren» der Fakultäten für Rekonstruktive Zahnmedizin und von Schweizer Praxen und Labors in einer Art virtuellen Arena miteinander messen. Drei Teams stellen ihren Workflow vor.

Für mich herausragend: Der Beitrag von Dr. Sven Mühlemann und ZT Andrea Patrizi von der Universität Zürich. Mit einem Patienten mit Schmelzdefekten und Schmelzbindungsstörungen. Dabei fertigt Patrizi nach dem digitalen Set Up einen analogen Schlüssel auf dem Gipsmodell an. Somit kann Mühlemann ein direktes Mockup am Patienten herstellen. Und der Patient sieht genau wohin die Reise geht. Dazu wird minimalinvasiv präpariert und die Seitenzähne für absolute Passgenauigkeit aus Wachs gefräst und daraufhin aus Lithium Disilkat gepresst. Bei den Seitenzähnen setzen die Zürcher auf monolithische Rekonstruktionen, die Frontzähne werden mittels Cutback Technik individuell hergestellt.

Dr. Sven Mühlemann präsentiert seinen Fall
Dr. Sven Mühlemann
gewinner goldener pinsel
Gewinner Goldener Pinsel

Eine spannende Kombination von verschieden Werkstoffen und Techniken. Das Publikum geht mit mir einig und kürt dabei das Team Mühlemann / Patrizi als Gewinner der Team Battles mit dem „Goldenen Pinsel“.

Ebenfalls grossen Applaus gab es für die neuen SSRD Mitglieder

Neue Mitglieder SSRD

Die neuen SSRD Mitglieder: V.l.n.r: Dr. Lukas Bracher, Dr. Samir Abou Ayash, Dr. A. Fiona Forrer, Dr. Aiste Gintaute, Dr. Riccardo Kraus, Dr. Johannes A. Müller, Dr. Nicole Schnider

Fazit SSRD 2019

Kommen wir zum Schluss noch einmal zur Hauptfrage der SSRD-Jahrestagung: «Chance oder Trivialisierung?». Die Antwort ist zweigeteilt. Einerseits muss man, wie Zahnarzt Ramel sagt, überdenken, welches Tool wo und wann in der Praxis am geeignetsten eingesetzt werden kann. Andererseits, und das schlägt den Bogen zum Beginn mit den Technikern Fehmer und Thiévent, müssen sich Behandler und Techniker fragen , wo die Digitalisierung Verbesserung bringt, ohne dass dabei die Ästhetik darunter leidet.  Dabei geht es meiner Meinung nach nicht um einen Grundsatzkonflikt «Mensch gegen Maschine», sondern vielmehr um ein gemeinsames «Mensch mit Maschine». Dadurch ergibt sich für mich erst ein optimaler digitaler Workflow.

Dieser Beitrag erschien in der Zahnzeitung Schweiz ZZS 12/19 erschienen https://epaper.zahnzeitung.ch/de/reader/?/ED5845D9D

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http://labor-gredig.ch/

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